✓ Trautes Heim oder Altersheim – was tun, wenn der Pflegefall eintritt?

Man kann es sich leicht vorstellen, dass ein Umzug ins Alters- oder Pflegeheim vor allem für die Betroffenen, lebensgeschichtlich wie psychologisch, eine radikale Zäsur bedeutet. Manche haben 20, einige gar 30 oder 40 Jahre lang in ihrem Einfamilienhaus gelebt. Dann, wenn sie es schließlich verlassen müssen, weil sie alleine einfach nicht mehr zurechtkommen, gleicht dieser Akt, so zynisch sich das anhören mag, symbolisch dem Einbiegen auf eine Zielgerade. Manche haben keine Kinder, die sie pflegen könnten. Andere haben Kinder, aber diese wollen sie nicht pflegen. Alles irgendwie ein einziges trauriges Dilemma.

2014 waren knapp 23 Millionen Deutsche über 60 Jahre alt. Allein etwa 17 Millionen hatten das 65. Lebensjahr überschritten. Auch wenn man, was Prognosen und Hochrechnungen angeht, generell sehr skeptisch sein sollte, so geht der Trend hinsichtlich des Altersdurchschnitts der Bevölkerung in einer deutliche Richtung: Die Menschen werden im älter und somit steigt ihr Anteil in der Gesamtbevölkerung. Dass die Pflege der Angehörigen hierdurch zu einem massiven Problem wird, liegt auf der Hand. Heute müssen Angehörige in Ausnahmefällen sogar 20 bis 30 Jahre lang gepflegt werden, was natürlich eine große Belastung für die Pflegenden darstellt, da viele von ihnen ihrerseits Familien und fordernde Jobs haben. Außerdem kann es immer sein, dass ein Pflegefall – aufgrund eines Unfalls etwa – unerwartet eintritt.

Manchmal erfordert die Spezifik des Pflegefalls dann eine entsprechende Expertise. Letztere ist aber auch dann vonnöten, wenn die spezifische Lebenssituation der betroffenen Angehörigen, eine selbstständige, adäquate Pflege unter keinen Umständen zulässt. Dennoch fühlt man sich als Angehöriger – zumindest im Idealfall – klar zum Helfen verpflichtet. Man möchte seinen Eltern oder Verwandten, die man liebt und die einem viel gegeben haben, eine würdige, gute Pflege und damit ein gutes Leben ermöglichen. Wie aber lässt sich das nur bewerkstelligen, wenn doch das moderne individualisierte Leben stets so viele verschiedene Anforderungen an die Subjekte stellt und man sich im Grunde entscheiden muss: Pflege der Angehörigen oder eigenes Leben? Die Inanspruchnahme professioneller Pflegehilfe kann hier eine gute Lösung sein. Was aber heißt eigentlich „professionell“?

Folgt man dem Soziologen Ulrich Oevermann, so ist professionelles Handeln durch stellvertretendes Krisenlösen charakterisiert. Ein Anwalt löst für seinen Mandanten gewisse Probleme, die der Mandant unmöglich selbst lösen kann. Ebenso der Arzt oder der Psychotherapeut. Nicht nur, dass dem Klienten das nötige Expertenwissen fehlt, ihm fehlt auch die darauf bezogene Handlungskompetenz. Der Professionelle handelt also im Namen seines Klienten, hilft ihm Entscheidungen zu treffen oder trifft diese, wenn es gar nicht anders geht, selbst. Es ist also die Frage, ob Pflegeberufe mittlerweile professionalisiert sind oder nicht. Es ist auch nicht die Absicht dieses Artikels das in irgendeiner Weise zu verifizieren oder zu falsifizieren. Lediglich festgehalten werden soll die Tatsache, dass in dem Moment, wo ein Angehöriger eines Pflegefalls sich als ungeeignet für eine anständige Pflege erweist und einen Pflegedienst engagiert, letzterer im Modus eines Stellvertreterhandelns operiert, indem er für den Angehörigen das Problem der Pflege auf Basis seiner Expertise und Erfahrung bearbeitet und idealerweise löst.

Diese Stellvertreter Leistung kann zweierlei Formen annehmen: Die Pflege im Pflege- oder Altersheim sowie die Pflege zu Hause. Was die erstere anbelangt, so ist diese vor allem dann sinnvoll, wenn die Pflege einer besonderen medizinischen Versorgung bedarf oder wenn das eigene Heim im Hinblick auf den individuellen Pflegefall sich infrastrukturell schlicht nicht eignet. Es kommt allerdings auch oft vor, dass Pflegebedürftige freiwillig in ein Pflegeheim gehen, weil sie ihren Angehörigen nicht zur Last fallen wollen. Zumal, so muss man sagen, es durchaus luxuriöse und sehr wohnliche Pflegeeinrichtungen gibt – allerdings kann sich diese leider nicht jeder leisten. Zurzeit gibt es in Deutschland rund 12.000 Pflegeeinrichtungen.

Eine andere Möglichkeit ist die Pflege im eigenen Heim. Knapp zwei Drittel aller Pflegebedürftigen werden momentan in den vertrauten vier Wänden gepflegt. Davon nimmt ein Drittel ambulante Pflegediensthilfe in Anspruch, während zwei Drittel wiederum ausschließlich von den Angehörigen vorsorgt wird. Dies kann jedoch, wie angemerkt, ein Full-Time-Job sein. Deshalb haben sich 24 Stunden Pflegedienste, wie etwa Curando, in letzter Zeit immer stärker etablieren können. Die Pflegebedürftigen können hier in den eigenen vier Wänden gepflegt werden und brauchen nicht in ein Pflegeheim umzuziehen. Zudem ist eine 24 Stunden Pflege unter bestimmten Umständen steuerlich absetzbar. Ein Kriterium ist hier, dass man selbst nicht der Empfänger der Pflegedienstleistung ist.

Es lohnt sich also im Falle einer Bedürftigkeit genau zu prüfen, welche Möglichkeiten einem zur Verfügung stehen. Das Eingangs überspitzt formulierte Dilemma muss nicht zwangsläufig zutreffen, sondern kann durchaus durch eine für Pflegebedürftige und Angehörige beidseitig zufriedenstellende Lösung ersetzt werden.

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